Gewerbegebiet Plantage

Künstler beleben Bremer Quartier

30 Mieter wohnen in der Plantage 9, dem ehemaligen Domeyer-Gebäude. Sie alle wollen dasselbe: Einen Arbeitsplatz in geselliger Umgebung – zu einem erschwinglichen Preis. Genau das gibt es in dem Gebäude in Bremen-Findorff. Deshalb arbeiten hier Künstler und Gewerbetreibende unter einem Dach.

Video: Kreativgemeinschaft statt Leerstand
http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=83395

Während der Maler an seinen Bildern arbeitet, gibt der Steinmetz Kurse in Bildhauerei. So sieht der Alltag in der Plantage 9 aus – in Bremens Ateliergemeinschaft. Sie liegt im Industriegebiet hinter dem Hauptbahnhof. Für die Mieter ist es ein Ort der gegenseitigen Befruchtung: Durch Besuche in den Ateliers oder auf dem Flur gibt es Gespräche – und neue Gedanken und Anreize für die Arbeit.

Ein Planungsfehler war Ursache der Gemeinschaft

Eigentlich wollte die Stadt eine Straße bauen, um das Industriegebiet in Findorff besser zu erschließen. Die „Plantage 9“ war da im Weg. Also kaufte die Stadt das Gebäude, um es abzureißen – doch aus den Plänen wurde nichts. Bis sich die jetzigen Mieter bei der Stadt meldeten, um das Gebäude zu nutzen. Eine gute Idee, findet man bei der Stadtverwaltung Bremen. Dirk Kühling vom Wirtschaftsressort:

Ein Mann vor einer Wandkarte [Quelle: Radio Bremen]zoomDie Stadt lobt die Ateliergemeinschaft.

„Wir haben hier eine klassische win-win-Situation: Die Kreativen profitieren davon, dass geringere Mieten an einem spannenden Ort zu zahlen sind. Die Stadt profitiert davon, dass einmal ein leeres Gebäude belegt ist – und auch das ganze Quartier belebt wird. Und wir profitieren davon, dass wir die Kreativen in Bremen halten.“

Günstige Mieten für große Räume: Beste Bedingungen für Mieter

Eine Frau in einem Büro [Quelle: Radio Bremen]zoomMieterin Stefanie Deitert begrüßt die erschwinglichen Mieten.

Ein Drittel unter dem üblichen Satz liegt zum Beispiel die Miete von Grafikerin Stefanie Deitert. Sie nutzt es als Grafikerin, aber auch für ihre Leidenschaft: aus abgetragenen Theaterkostümen Handtaschen zu nähen. In einem normalen Büro wäre dieser Nebenjob nicht zu finanzieren, weil die Mieten zu teuer wären. „Das ist für mich phantastisch, weil ich hier nicht so hohe Mietkosten habe, aber einen großen Raum, in dem ich mit den ganzen Stoffen hantieren kann und mich ausbreiten kann.“

Ein Mann vor einer Sprühwand [Quelle: Radio Bremen]zoomSeit er im Atelier ist, sprüht Graffiti-Sprayer Markus Genesius nicht mehr auf Mauern, sondern auf Leinwände.

Vor zwei Jahren sind die ersten Mieter hier eingezogen. Von Anfang an dabei war Markus Genesius. Er ist Graffiti-Sprayer. Das Dach über dem Kopf hat nicht nur seinen Arbeitsalltag verändert, sondern auch seine Arbeit: Während er früher Mauern und Wände besprühte, sind es heute Leinwände. „Da ich von der Straße komme und als Graffiti-Sprayer riesige Flächen besprüht habe, und jetzt den Weg ins Atelier gesucht habe, bietet es mir die Möglichkeit, mich in anderen Formaten auszudrücken und neue Ansätze zu finden.“

Übergangslösung auf Dauer? Die Plantage 9 in Bremen, [1:22]

Die Plantage 9 ist nicht für die Ewigkeit gedacht. Wenn aus der ursprünglich geplanten Straße doch noch etwas wird, müssen die Mieter hier wieder ausziehen. Da aber alle Beteiligten mit der Zwischenlösung sehr zufrieden sind (auch die Stadt), gibt es gute Chancen, dass der Plan mit der Straße bald ganz vom Tisch ist.

11. Februar 2013 (c) Radio Bremen, Buten un Binnen, Bericht von Hanna Möllers – Lange Version vom 12.02.2013 hier:
http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=83395
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